Nonius

Diese Rasse beherrschte über weit mehr als 100 Jahre den Bereich der landwirtschaftlichen Arbeitspferde im Südosten der Habsburgmonarchie. Stammvater war der Anglo-Nomanne Nonius, der 1810 in Calvados geboren wurde. Die österreichische Kavallerie besetzte 1815 das Gestüt Rosièr und beschlagnahmte alle Pferde. So kam Nonius als Kriegsbeute nach Österreich bzw. in das im heutigen Südostungarn liegende Militärgestüt Mezöhegyes. Er staammte vom engl. Halbblüter Orion aus einer Anglonormännerstute.
Nonius Senior, wie er später genannt wurde, deckte bis zu seinem Tod im Jahr 1839. Er hinterließ 79 Hengstfohlen, von denen 15 Gestütshengste wurden und 137 Töchter. Die Kunst der ungarischen Gestütsverwaltung entwickelte daraus eine Rasse, die bereits 1890 alleine in der ungarischen Reichshälfte 2840 Hengste als Vatertiere auswies. Die Stutenbasis dazu kam zumeist aus Radautz und wurde in Mezöhegyes als "Moldauerinnen aus dem bukowinaschen Militärgestüt" und später einfach als "Moldvai" bezeichnet.
Der Nonius war nicht unmittelbar vom Prädikat "adeliger Schönheit" geprägt. Als Leistungsträger war und steht die Rasse aber nach wie vor als praktisch unerreicht vor uns. Die harte Konstitution, Ausdauer und Genügsamkeit sind neben seiner sehr gut ausgeprägten Trabeigenschaft besonders hervorzuheben. Den klimatischen Bedingungen seiner neuen Heimat im Süden Ungarns, in Slavonien, der Backa und im Banat entsprach er optimal. Der Nonius war und ist der würdige Vertreter des warmblütigen landwirtschaftlichen Arbeits-und militärischen Artilleriepferdes. Auch im städtischen Bereich hatte er als gewerbliches Fuhrwerkspferd große Bedeutung. Darüber hinaus traten Angehörige der Rasse auch immer wieder mit sportlichen Erfolgen hervor. So wurde der vormalige Hochsprungrekord von 2,08 m vom späteren Flügeladjutanten des Kaisers, General Pongracz vom k. u. k. Husarenregiment "Kaiser" Nr. 1 mit dem Noniuswallachen Alerta aufgestellt.
Auch dem Nonius blieben Versuche einer Veredelungszucht nicht erspart. Die Rasse erwies sich aber gegen all diese Versuche sehr resistent. Der erbfeste Nonius blieb seinem Typ stets treu. Kräftige Tiere mit ausdrucksvollen Ramsköpfen auf zumeist schmaler Halsung aber auf stämmigen Beinen blieben im Typ des Wirtschaftspferdes; heute sollte man den Nonius einfach als Wagenpferd mit guten Reiteigenschaften bezeichnen, der sich durch Ausdauer und Gutmütigkeit auszeichnet.
Die Neuzeit hat an den wenigen verbliebenen reinstämmigen Noniuspferden unüberlegte Veränderungen vollzogen. Der schnelle Wegfall des Einsatzes in der Landwirtschaft wurde durch Einkreuzung von Holsteiner- und Hannoveranerblut versuchsweise kompensiert. Der Nonius wird aber kein Holsteiner, er wird auch kein Hannoveraner - aber auch Ungarn als Ursprungsland dieseer Rasse versucht heute, sich wieder der alten Linienzucht zu besinnen. Reines Noniusblut aber ist heute vor allem noch in Rumänien vorzufinden.

Eine Übersicht über diese Rasse gibt Ihnen gerne der Verband
"NONIUS Lotenyeszto Orszagos Egyessület" in Ungarn,
4071 Hortobagy Pf 11, Fax 0036 52 369-087, wobei wir gerne diese Zusammenarbeit unterstützen.
Aktuelle Zuchtbücher liegen bei uns auf.

01.01.2006-Gk
Fotomaterial folgt

Wir erhielten eine sehr interessante Abhandlung zur Entstehung der Nonius-Rasse:
1911 schrieb der bedeutende kroatische Hippologe F. Steinhauß im Rahmen einer Publikation der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde einen 24-seitigen Fachartikel mit sehr genauen Angaben u.a. über den Stammbegründer NONIUS. Sowohl die Märchen über "das Pferd Napoleons" als auch über die Entstehung der oft genannten "kleinen" und "großen" Noniuse sowie über den sinnvollen Umgang mit "Inzucht".
Für ¤ 10,00 als Kopie erhältlich !
28.10.2006-Gk