Noriker

Der Noriker repräsentiert sowohl die älteste der Altösterreichischen Pferderassen als auch die einzige Rasse, die auf dem Gebiet des heutigen Österreichs ihren Ursprung hat.Getauft nach der Region NORICUM, waren diese Pferde schon im Reich Karls des Großen bekannt. Die kräftigen, mittelgroßen Arbeitspferde wurden aber nicht nur in der bäuerlichen Zucht sonder ganz besonders von den Bischafshöfen, wie etwa in Salzburg, gefördert. Das klassische Hochzuchtgebiet liegt dementsprechend im Salzburger Raum vor allem am Fuß des Glocknermassives.
Die vielen spanisch-neapolitanischen Hengste brachten den Arbeitspferden neben Kaliber und Eleganz auch attraktive Farben in die Landespferdezucht.
Am Beispiel dieser bei uns dominierenden Kaltblüter-Rasse können wir hier Begriffe wie Hochzuchtgebiete, Zuchtgebiete und Nachzuchtgebiete erläutern.
Im Hochzuchtgebiet, das geographisch sehr genau begrenzte Bereiche umfasst, widmet man sich der Produktion hochwertiger Vatertiere, die später in der Landeszucht Verwendung finden sollen. Hier, in den Aufzuchthöfen Ossiacher Tauern und Stoissen, wurden diese Junghengste bis zum Herbst des zweiten Lebensjahres gehalten. Aber auch spezielle Hengstaufzüchter, die eineinhalbjährige Hengste ("Spekulierer")im Hochzuchtgebiet aufkauften und daheim (meist im Mostviertel oder im Raum um Wels) aufzogen, brachten diese Pferde zweieinhalbjährig auf die Märkte in Wels, Haag oder Feldkirchen. Dort hatte die Bundesgestütsverwaltung das Vorkaufsrecht und brachte die ausgewählten Pferde zur Ausbildung nach Stadl.
Die von der staatlichen Kommission nicht beanspruchten Hengste kamen über den freihändigen Verkauf in die Nachzuchtländer wie Schwaben, Bayern, Böhmen, Schlesien, Mähren, Slowenien und Oberitalien. So schloss sich das Verbreitungsgebiet in weitem Bogen von Bayern, wo sie als "Oberländer" bezeichnet wurden, über das mittlere Burgenland, wo sie als etwas leichtere und kleinere Spielart als "Heanzen" verbreitet waren, über Ungarn als "Muraközi", über Kroatien und Slowenien ("Murinslaner") bis ins Friaul und Venezien, wo sie als "Furlaner" bekannt waren. Diese "Furlaner" kamen dann als Arbeitspferde, als "Kabs-Fuhrwerk" zurück nach Wien auf die Großbaustellen der Ringstraßenzeit.
Selbstverständlich waren die Noriker ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftes der Rosshändler. Schwerst-und Schwerfuhrwerk (z.B. für Brauereien) waren ebenso Abnehmer wie land-und forstwirtschaftliche Gebiete. In weiten Teilen des Landes war eben die Aufzucht in Ermangelung ausreichender Weideflächen nicht möglich.Nach dem Sieg der Traktoren über die Arbeitstiere wurde die Zucht vorrangig auf die Fleischproduktion ausgerichtet.

Heute kann sich der Noriker im Kreise der Freizeit-Pferdesportfreunde wieder großer Beliebtheit erfreuen. Die Zucht in Österreich hat sich auf die Produktion leichterer Pferde mit ausgeprägten Exterieurpoints umgestellt. Eine bunte Palette aparter Farben, Tiger, Mohrenköpfe ja selbst Schecken sind auf den immer gut besuchten Schauen zu bewundern. Selbstverständlich ist der Einsatz vor dem Wagen ein absolut wichtiger Zweig für die Sicherung dieser wunderbaren Rasse, ob man allerdings Marathonbewerbe, Dressurreiterei oder die so modernen Zirkuslektionen unbedingt für diese Rasseerhaltung benötigt, kann man diskutieren. Aber all diese „exotischen“ Noriker-Einsatzgebiete sind sicherlich schöner als die simple Nutzung für die Fleischproduktion (u.a. Kroatien !).

Wer sich für diese Rasse besonders interessiert, dem empfehlen wir die Suche nach dem Standardwerk "Der Pinzgauer Noriker" von Dr. Helmut Feuersänger, 1941, herausgegeben vom Landespferdezuchtverband Alpenland e.V. Salzburg.

DAS NORIKER PFERD, von Dr. Thomas Druml, 2006 im Verlag Vehling, Graz, erschienen, sollte die Position des Standardwerkes nunmehr übernehmen. Reich illustriert spiegelt dieses Buch die heutige Situation unserer Kaltblüter detailiert wieder. Alle aktuellen Hengstlinien werden vorgestellt und die Bedeutung des Exterieurs bzw. dessen Beurteilung nimmt breiten Raum ein. Selbstverständlich wird auch der "Farbenkunde" große Aufmerksamkeit gewidmet, wobei die Nachteile, die aus einer strengen Farbenzucht entstehen, besonders berücksichtigt werden sollten.
Aktuelle Informationen bietet das Magazin "ROSSINGER International", dessen rührigen Herausgeber Wilhelm Wurm man unter: www.rossinger.at oder
per e-mail: verlag@rossinger.at erreichen kann.

Züchterisch wird der Noriker von der "Arbeitsgemeinschaft Norischer Pferdezüchter Österreichs", ARGE NORIKER, per Adresse "Pferdezuchtverband Salzburg" vertreten.

2007 02 15 - H. Gawlik

Bildmaterial folgt !